Programm

 

SPACE IS THE PLACE
USA 1974. Regie: JOHN CONEY.
Mit Barbara Deloney, Sun Ra, Ray Johnson, Erika Leder, Sinthia Ayala.
HD Digital. 85 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Der avantgardistische Jazzkomponist und Jazzmusiker Sun Ra galt schon zu Lebzeiten als einer der umstrittensten Jazzmusiker. Er schrieb den Soundtrack zu dem Afrofuturismus-Science-Fiction Film SPACE IS THE PLACE und war auch am Drehbuch beteiligt. Der Film ist aber nicht lediglich eine avantgardistisch-künstlerische Spielerei. Er ist auch ein klarer Kommentar zur Situation der Afroamerikaner in den USA. SPACE IS THE PLACE ist in vielerleih Hinsicht ein einzigartiger Film: Die originale (und wohl einzige) 35mm-Kopie ist ein fragiles Unikat. Sie wurde in behutsamer Feinarbeit gänzlich neu abgetastet und löst wieder Kinogefühle aus. Es knistert und rauscht mit analogem Herzhunger. Durch die Digitalisierung wurde der Film gleichzeitig vor der langsamen physischen Auflösung seines analogen Originals bewahrt und kann wieder im Kino gezeigt werden.
Zusatzvorstellung am 19.7. um 18.00 h und 30.7. um 11.00 h (Matinee)
 
 
***

 
DER ORNITHOLOGE
(O ORNITÓLOGO) 
Portugal/Frankreich/Brasilien 2016. Regie: JOAO PEDRO RODRIGUES.
Mit Joao Figueiras, Diogo Varela Silva, Vincent Wang.
HD Digital. 118 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.
João Pedro Rodrigues, der seit seinem kühnen Debütfilm O FANTASMA (2000) zu den wichtigsten Regisseuren Portugals und den aufregendsten Auteurs des queeren Kinos zählt, hat mehrfach betont, dass DER ORNITHOLOGE sein bislang persönlichster Film ist. Fernandos Odyssee durch eine betörend surreale Dschungelwelt ist zugleich eine zeitgemäße und höchst intime Interpretation der Legende des Heiligen Antonius, dem
portugiesischen Landesheiligen. Ein Film wie ein Traum von Tod, Auferstehung und Märtyrertum, der sexuelle und spirituelle Grenzen auflöst und die Hauptfigur an das Ende einer Suche führt, die schon lange vor der Kajakfahrt begonnen hat. Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde DER ORNITHOLOGE als Meisterwerk gefeiert und Rodrigues mit den Silbernen Leoparden für die Beste Regie ausgezeichnet.
„Die Geschichte einer Verwandlung, die in sich die Zeichen einer Revolution trägt.“ (Cahiers du Cinema)
„Eine herrlich blasphemische Heiligengeschichte!“ (Variety)
13. – 19.7. um 20.00 h
Sonntag, 23.7. um 18.00 h
Donnerstag, 27.7. um 20.00 h

Weitere Filme von João Pedro Rodrigues laufen von 28.7. bis 2.8. im Werkstattkino!
 
 
***
 
MANN IM SPAGAT
Deutschland 2016. Regie: TIM JACOBS.
Mit Timo Jacobs, Clemens Schick, Natalia Belitski, Rolf Zacher, Claude Oliver Rudolph.
HD Digital. 89 Min. Erstaufführung.
Ein Weltverbesserer aus Berlin braucht Geld, um einen Heimplatz für seine kranke Mutter zu finanzieren. Er verdingt sich als Fahrradkurier, was seinem Erzfeind nicht passt, der mit seiner Clique ein Konkurrenzunternehmen gründet, bis es zum Showdown der rivalisierenden Parteien bei einer Rallye kommt. Als sinnfreies Theaterspektakel inszenierte Komödie, die vorrangig einer Reihe versierter Schauspieler für ihre exzentrischen Auftritte dient; unter Federführung des Regisseurs und Hauptdarstellers Timo Jacobs frönen sie entgegen jeder dramaturgischen Gepflogenheit einer zweckfreien Spiellust. (Filmdienst)
MANN IM SPAGAT, der zweite Film nach KLAPPE, COWBOY (vor einigen Jahren auch im Werkstattkino gelaufen) ist eine irrwitzige, ins Groteske greifende Komödie, entstanden ohne jegliche Fördermittel.
13. – 14.7. und 16. – 19.7. um 22.30 h
Keine Verlängerung möglich!
 
 
***
 
DAS WILDE FILMTRAILER-ABC # 2
„Ein guter Trailer ist oft spannender als jeder Film: Alle Höhepunkte in zwei Minuten – welcher Film soll da noch mithalten. Manchmal träume ich von einem Abend, an dem nur Trailer gezeigt werden, einer nach dem anderen, früher soll es das in Spezialistenkinos gegeben haben. Nie ein langer Film. Immer nur zwei Minuten lange Minidramen, Minikomödien, Miniabenteuer, ultrahocherhitzt. Perfekter Abend.“ (Max Fellmann, SZ-Magazin 36/2013)
Eine Achterbahnfahrt durch die Filmgeschichte und alle Filme beginnen diesmal mit dem Buchstaben B. 43 Trailer von 1955 bis 2002. Abendfüllend! Es knistert, rauscht und knackt, das Bild verkratzt, die Farben laufen aus oder erstrahlen in schönstem Technicolor. Ein Fest für Augen und Ohren. Alles analog, alles 35mm! Ein wahrhaft umwerfendes Kinoerlebnis aus dem Archiv des Werkstattkinos.
Samstag, 15.7. um 22.30 h
Eine Zusatzvorstellung ist in Planung!
 

***
 
DIE NEUE NATIONALGALERIE
D 2017. Regie: INA WEISSE.
HD Digital. 50 Min.
Dokumentation über Mies van der Rohes Jahrhundertbauwerk im Herzen Berlins und seine Geschichte.
Die Neue Nationalgalerie in Berlin ist ein Jahrhundertbauwerk des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. 1968 wurde sie kurz nach seinem Tod eröffnet. Fast fünfzig Jahre später begab sich die Regisseurin Ina Weisse auf eine Spurensuche in die Tage der Erbauung jenes einzigartigen Bauwerks. Sie ist die Tochter des Architekten Rolf Weisse, der seinerzeit im Büro von Mies van der Rohe in Chicago arbeitete. In zahlreichen Interviews mit ihrem Vater Rolf Weisse, Mies van der Rohes Enkel Dirk Lohan, dem mit der Sanierung beauftragten Architekten David Chipperfield und vielen anderen Persönlichkeiten geht Ina Weisse der Frage nach, wie die Neue Nationalgalerie damals entstanden ist und was für eine Weltanschauung in Mies van der Rohes Gebäude zum Ausdruck kommt. Neben Ina Weisses Interviews und spektakulären Filmaufnahmen vom Auszug des Museums aus seinem Gebäude enthält der Film auch bislang unveröffentlichte Filmaufnahmen aus den 1960er Jahren, die Rolf Weisse damals im Büro von Mies van der Rohe drehte.
Zusatzvorstellung am Sonntag, 6.8. um 11.00 h (Matinee)
 

***

 

KEEPER
Belgien 2015. Regie: GUILLAUME SENEZ. Mit Kacey Mottet Klein, Galatea Bellugi, Laetitia Dosch.
HD Digital. 91 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.
Die Liebesbeziehung zweier 15-Jähriger wird einer extremen Belastungsprobe ausgesetzt, als das Mädchen schwanger wird. Nachdem der Junge, ein begabter Fußballtorwart, seinen Schock überwunden hat, will er das Kind unbedingt bekommen. Auch seine Freundin lenkt ein, obwohl ihre Mutter energisch für eine Abtreibung plädiert, und gemeinsamen träumen die beiden von einer Zukunft zu dritt. Der spielerisch leichte und doch ernsthafte Film vermeidet alles Thesenhafte und erforscht mit subjektiver Kamera und zahlreichen langen Einstellungen die turbulente Gefühlswelt authentisch wirkender Jugendlicher. Statt zu erklären, zeigt er dabei inszenatorisch subtil, wie es ist, jung zu sein und erwachsen handeln zu müssen. (Filmdienst)
20. – 26.7. um 20.30 h
 
 
 
***
 

LUTHER FUCK OFF
Deutschland 2017. Regie: MIKE SPIKE FROIDL.
Digital. 65 Min. Welturaufführung in Anwesenheit des Regisseurs!
Martin Luthers rücksichtsloser Kriegszug gegen Menschenrechte, Hexen, Täufer, Behinderte und Juden.
Dieser Film behandelt Luthers dunkle Seiten, die meist weggelassen, nur angedeutet oder verharmlost werden.
Formal ist dieser Film auch ein Novum: Es sind zwei Filme: einer aus der Sicht einer sozialistischen DDR-Produktion und einer Hollywood-Action Version, welche sich zu einem Ganzen ergänzen.
In diesem furiosen Film wird nicht nur die Historie, sondern auch die Folgen Luthers Schriften und Aussagen bis in die jüngste Gegenwart dargestellt.
Ein Wirken, das über den dreißigjährigen Krieg über das Dritte Reich bis zum heutigen Kapitalismus fortbesteht.
Als Schauspieler kann man u.a. den adelstämmigen Demian von Prittwitz als Kaiser Karl V. und die herrliche Anne Damrau als Katharina von Bora agieren sehen.
(Mike Spike Froidl)
http://mike-spike-froidl.de/index.php?lang=ger&site=7
Donnerstag, 20.7. um 19.00 h
 
***
 
 
CLOCLO UND ICH

QUAND J'ÉTAIS CLOCLO). Schweiz 2017. Regie: STEFANO KNUCHEL.
HD Digital. 105 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Was ist 395 Jahre alt und hat Alkoholismus, Gefängnis, Drogen, Betrügereien und Depressionen überlebt? Meine Familie! Mein Vater war ein Gauner, und ich verbrachte meine Kindheit auf der Flucht vor der Polizei – bis er verhaftet wurde. Die Quittung für diese vergnüglichen Jahre hat uns das Leben erst später präsentiert. Meine vier Geschwister sind abgestürzt, meine Mutter hat die Scheidung eingereicht, und darauf ist mein Vater gestorben. Überraschenderweise ist er nach 15 Jahren wieder auferstanden. In diesem Moment habe ich mich daran erinnert, wie schön das Leben war, als ich Cloclo war. (Stefano Knuchel)

Autobiografische Rekapitulation der spannenden Kindheitsgeschichte des Schweizer Moderators und Filmemachers Stefano Knuchel. (Filmdienst)
21. – 22.7. um 18.15 h
Sonntag, 23.7. um 11.00 h (Matinee)
24.7. um 18.15 h

***

 

DARK BLOOD
USA/Großbritannien/Niederlande 2012. Regie: GEORGE SLUIZER. Mit River Phoenix, Judy Davis, Jonathan Pryce, Karen Black.
HD Digital. 86 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.
Ein Schauspieler-Ehepaar durchquert auf der Suche nach einer Erneuerung seiner Beziehung die von Atomwaffentests verstrahlte Wüste in Nevada. Dabei stößt es auf einen jungen Indianer, dessen Frau an Krebs gestorben ist und der auf das Ende der Welt wartet. Die Begegnung entwickelt sich zum „Backwood“-Horrorfilm, der zugleich als eine Art Neo-Western die Unheilgeschichte der USA reflektiert. Der 1993 durch den Tod von River Phoenix unvollständig gebliebene Film wurde 2012 von Regisseur George Sluizer fertiggestellt, der nichtgedrehte Szenen aus dem Off einspricht. (Filmdienst)                                                                 Samstag, 22.7. um 16.15 h                                                                                                                                                                                                                                                                               Sonntag, 23.7. um 16.00 h
30. – 31.7. um 18.30 h

 

 
***
 
MACABRO – DIE KÜSSE DER JANE BAXTER
(MACABRO). USA/Italien 1980. Regie: LAMBERTO BAVA. Mit Bernice Stegers, Stanko Molnar, Veronica Zinny.
HD Digital. 91 Min. Englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Die aus einer Nervenklinik entlassene Frau eines vermögenden Managers erlebt mit dem mumifizierten Kopf ihres toten Liebhabers erotische Stunden, bis ihr Geheimnis entdeckt wird.
Dieser ruhige, aber voller extrem makabrer Einfälle und Abartigkeiten steckende Streifen ist ein kleines Juwel des psychologischen Horrorkinos. (filmtipps.at)
20. – 21.7. und 23.7. um 22.30 h
 
***
 
BLASTFIGHTER
Italien 1984. Regie: LAMBERTO BAVA. Mit Michael Sopkiw, Valerie Blake, George Eastman.
HD Digital. 89 Min. Deutsche Fassung.
Ein ehemaliger Polizist, der Rache an einem korrupten Pollitiker nehmen will, gerät in einen blutigen Krieg mit einer Bande von Wilddieben. Rächerfilm mit üblicher "Moral". (Filmdienst)

Blastfighter verknüpft die aus US-Filmen wie Rambo bekannte Melancholie über verlorene Maskulinität mit der unbeirrten Virilität europäischer Genrefilme der späten 70er und frühen 80er. (critic.de)

24. – 26.7. um 22.30 h

 

***

 

DEMNÄCHST:

 
BUNCH OF KUNST
 

 

 
***
 
 
IM INNEREN KREIS
 
 
 
 
***

 

GEORGE A. ROMERO: DER VATER DER UNTOTEN IST TOT

Wir zeigen in den August-Nachtvorstellungen eine große Werkschau mit digital restaurierten und analogen zeitgenössischen Filmkopien!

 

MEISTER DER ZOMBIES

Der Film beginnt auf einem Friedhof, ausgerechnet. Zwei Geschwister besuchen das Grab ihrer Mutter, und noch während die Schwester betend vor dem Grab kniet, nähert sich ein Mann im schwarzen Anzug. Der Friedhof liegt einsam, es gewittert, der Bruder macht Gespensterwitze. Schlechtes Timing: Grundlos greift der Fremde an, tötet ihn und will die Schwester beißen.

Logisch, Zombie, würde heute jeder sagen, aber als George A. Romero seinen Film „Night of the Living Dead“ 1968 ins Kino brachte, war der Zombie so unbekannt, dass die zeitgenössischen Kritiken von „Ghoul“ sprachen. Romero hat den Zombie in seiner gegenwärtigen Form erst erfunden, und er hat ihm in seiner legendären „Zombie-Trilogie“ eine Entwicklung gegeben, von der bis heute jeder Horrorfilm-Regisseur profitiert.

Night of the Living Dead“ begann als Zeitvertreib. Romero drehte Werbespots in Pittsburgh und hätte gerne einen eigenen Film gemacht. Aber wenn man das in Pittsburgh äußert, bekommt man „einen Schlag auf den Kopf und eine Zwangsjacke“, so Romero. Er hatte Richard Mathesons Science-Fiction „I Am Legend“ gelesen, eine Mischung aus Seuchen- und Vampirroman, und die Idee der Untoten gefiel ihm. Also wurde gemeinsam mit drei Freunden der Plan gefasst, privates Geld zu investieren und den gesamten Bekanntenkreis für so einen Film einzusetzen. Zehn Freunde gaben jeweils 600 Dollar, das Projekt nahm Form an, die Produktionsfirma 'Latent Image' stieg ein. Trotzdem dauerte es sieben Monate, bis Romero fertig war, da der Bekanntenkreis auch als Schauspieler agieren musste, und das hieß: Drehen nur nach der Arbeit.

Inzwischen ist dieses erste Werk von Romero in der Filmsammlung des Museum of Modern Art. Es war der Anfang von allem. Die blutverschmierten Zombies, ihr Hunger auf das Fleisch lebender Menschen, so etwas ins Bild zu setzen war eine Sache. Die andere war die Gesellschaftskritik, die dem Film nicht sonderlich unterschwellig eingeschrieben ist. Vietnamprotest findet sich darin, Anprangerung von Rassismus, die Auflehnung gegen bisher geheiligte Familienwerte. Romero lässt den durchschnittlichen amerikanischen Bürger auf die Zombies antworten, und der kennt keine Differenzierung zwischen schwarz oder weiß, infiziert oder gesund, sobald er sich auf der richtigen Seite bei der richtigen Aufgabe wähnt. Die viele Toten am Ende des Films sind keinesfalls bloß Opfer der Zombies.

Romero wurde nicht nur von der NY-Times für sein „grainy little movie made by some people in Pittsburgh“ harsch kritisiert. Aber der Erfolg von „Night of the Living Dead“ in den Drive-In-Kinos und Mitternachtsvorstellungen war nicht zu bremsen. Romero konnte drei weitere Filme drehen, die zwar alle untergingen, aber zumindest der letzte, „The Crazies“, behandelte wieder ein ähnliches Thema: versehentlich wird eine Kleinstadt mit einer Biowaffe verseucht. Die einzige Person, die immun dagegen ist und damit die Rettung in sich trägt, wird auch hier gejagt und getötet, diesmal allerdings zeigt Romero die Täter gleich als Soldaten der Army.

Danach befasste er sich konsequent mit den Zombies, und immer gab er seinen Filmen einen politischen Mehrwert. „Dawn of the Dead“ von 1979, bis heute der beste Film im gesamten Zombie-Kanon, nimmt den Kapitalismus unter Feuer: Zombies belagern eine kleine Gruppe Menschen in einem Einkaufszentrum, Lebende wie Untote werden ständig mit dem Ort des exzessiven Konsums konfrontiert, den sie jetzt nach ganz anderen Kriterien beurteilen müssen. Zudem zeigt „Dawn of the Dead“ einen Quantensprung des Horrorgenres, denn zu den vielen wegweisenden Ideen Romeros gehörte auch die, seinen alten Bekannten Tom Savini zu engagieren, um den Zombies schön entstellte Gesichter zu geben. Savini, inspiriert durch seine Zeit als Kriegsfotograf in Vietnam, begann hier seine Karriere als SFX-Künstler. Seine Zombies waren bedrohlich, ekelhaft, und katapultierten „Dawn of the Dead“ ins Splatter-Genre. Romero dankte ihm mit dem gewagten Schritt, den Film ohne Freigabe der MPAA zu verleihen. Nicht nur die Make-Up- und SFX-Branche war revolutioniert, auch das Independent Kino bekam so einen ersten immens erfolgreichen Film ins Repertoire.

Romero blieb dem Genre treu, kehrte aber vorerst nur noch einmal, 1985 mit „Day of the Dead“, zu den Zombies zurück. Sonst verfilmte er 1982 „Creepshow“ von Stephen King, eine Sammlung von kurzen Geschichten, die den E.C. Horror-Comics der 1950er Jahre nachempfunden waren. Er drehte 1990 „Two Evil Eyes“, einen weiteren Episodenfilm, mit dem italienischen Kultregisseur Dario Argento. Allein die Verbindung dieser beiden Giganten ließ das Publikum vor Ehrfurcht erbeben. Erst 2005, da war Romero 65, setzte er seine Zombieserie noch einmal fort. In schneller Folge entstanden drei Filme, dokumentarisch im Stil, inhaltlich beinahe mit einer Sympathie für die Untoten verbunden, die darin die Welt allmählich komplett in Besitz nehmen. Denn die Lebenden sind, da ist Romero immer konsequent, sich selbst die größeren Feinde.

Wenn man die 15 Filme Romeros anschaut, hat die Menschheit zwischen 1968 und heute nichts gelernt. Die Filmindustrie allerdings schon, was in vielen Fällen ihm zu verdanken ist. Das Horrorgenre wäre ohne Romero nicht das, was wir kennen und lieben, weder visuell noch in der Rezeption. Romeros Filme waren mehr als inspirierter Trash, sie zeigten Zombies als soziopolitische Erscheinung, als Produkte der Gesellschaft, aus der sie stammten. Romeros Zombies gaben der Popkultur ein neues Thema und uns allen eine neue Zukunftsvision. Sie eroberten Filmhochschulen und Festivals und die Herzen der Cinéasten wie der Nerds. Zweifellos werden sie weiter durch die Welt torkeln – aber nun ohne ihren großen Meister. George A. Romero ist am Sonntag in Toronto 77-jährig an Lungenkrebs gestorben.

DORIS KUHN

 

 

***

 

Charlie Chaplins Rede an die Menschheit aus dem Film DER GROSSE DIKTATOR (1940):