Programm

NEUES ASIATISCHES KINO                                                                                                                                       WERKSCHAU YANG YONGHI

 
Die 1961 in Osaka geborene Filmemacherin Yang Yonghi entstammt einer koreanischen Familie in Japan, die das kommunistische Regime in Nordkorea unterstützt. 1971 schickte der Vater ihre drei älteren Brüder nach Pjöngjang, um den Aufbau des sozialistischen Staats voranzutreiben. Sie konnten das Land seitdem nicht mehr verlassen. Als einzige Tochter blieb Yang Yonghi mit ihren Eltern in Japan und erhielt dort eine nordkoreanische Ausbildung, bis sie 1997 zum Filmstudium nach New York ging. Nach ihrer Rückkehr entstanden die beiden Dokumentarfilme DEAR PYONGYANG (2005) und SONA, THE OTHER MYSELF (2009) sowie mehrere Bücher, in denen sie ihre Familiengeschichte aufarbeitet. 2011 inszenierte sie ihren ersten Spielfilm OUR HOMELAND, der als japanischer Oscar-Beitrag ins Rennen geschickt wurde. Die Filme von Yang Yonghi beschreiben auf anrührend persönliche Weise, wie die koreanische Teilung – eine Folge des Kalten Kriegs – bis heute das Leben von Individuen und ihren Familien auf der ganzen Welt beeinflusst.
Die Regisseurin ist zu Gast in München und wird nach den Vorführungen Fragen zu ihren Filmen beantworten.
 
OUR HOMELAND
(KAZOKU NO KUNI)
Japan 2012. Regie, Buch: YANG YONGHI. Kamera: Toda Yoshihisa.
Mit Ando Sakura, Iura Arata, Yang Ik-june, Miyazaki Yishiko, Tsukayama Masane.
HD Digital. 100 Minuten. Japanisch/koreanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Wie in den vorausgegangenen Dokumentarfilmen verarbeitet Yang Yonghi auch im ersten Spielfilm Elemente ihrer eigenen Familiengeschichte. Im Mittelpunkt des Films steht das Mädchen Rie, Tochter in einer nordkoreatreuen Familie in Japan, die ihren älteren Bruder Sonho nach Nordkorea entsandt hat. Dieser ist schwer krank und bekommt die Erlaubnis, für einige Monate nach Japan zurückzukehren, um sich einem medizinischen Eingriff zu unterziehen. Während seines Aufenthalts wird die Beziehung der Geschwister auf die Probe gestellt.
„Yang Yonghi legt den Fokus nicht auf die Melodramatik ihrer Erzählung. Ihr geht es vielmehr um zwei Menschen, die der Lauf der Geschichte mit extrem unterschiedlichen Perspektiven ausgestattet hat.” (Christoph Terhechte, 41. Internationales Forum des jungen Films, Berlinale 2012)
Donnerstag, 12., Sonntag, 15. & Mittwoch, 18.1. um 20.00 h
 
DEAR PYONGYANG
Japan 2005. Regie, Buch, Kamera: YANG YONGHI.
Digital. 107 Minuten. Japanisch/koreanische Originalfassung mit englischen Untertiteln.
In ihrem ersten langen Dokumentarfilm erforscht Yang Yonghi die blinde Treue ihres Vaters zum nordkoreanischen Regime und ihren eigenen Widerstand dagegen. Als Jugendlicher emigrierte ihr Vater von der südkoreanischen Insel Cheju nach Japan. Seine Erfahrung mit der japanischen Besatzung, der nachfolgenden Teilung Koreas sowie des Koreakrieges ließen ihn zum bekennenden Nordkoreaner und Anhänger Kim Il Sungs werden. 1971 schickte er, als höchstes ideologisches Opfer, seine drei Söhne – 14, 16 und 18 Jahre alt – nach Pjöngjang. 30 Jahre später untersucht die Regisseurin, sein jüngstes Kind, aufgewachsen mit den Vorzügen des modernen Japans, die Gründe für diese radikale Entscheidung. Das Videomaterial, das sie auf ihren Reisen nach Nordkorea sammelte, bietet einzigartige Einblicke in das Alltagsleben der 90er Jahre.
„Ohne Angst vor der Vielschichtigkeit der Situation erzählt Yang eine Vater-Tochter-Geschichte vor dem Hintergrund der geografischen und geistigen Diaspora, eine Geschichte der politischen und der persönlichen Aufopferung.” (Caroline Libresco)
Freitag, 13. & Montag, 16.1. um 20.00 h

 
SONA, THE OTHER MYSELF
(ITOSHIKI SONA)
Japan/Südkorea 2009. Regie, Buch, Kamera: YANG YONGHI.
Digital. 82 Minuten. Japanisch/koreanische Originalfassung mit englischen Untertiteln.
Yang Yonghis zweite Auseinandersetzung mit ihrer nordkoreanischen Familie. Diesmal konzentriert sich die Erzählung auf ihre Nichte Sona, deren Heranwachsen die Filmemacherin bei ihren Familienbesuchen in Pjöngjang begleitet hat. Ihre Begegnungen brechen abrupt ab, als Yang Yonghi nicht mehr nach Nordkorea einreisen darf.
„Die seltenen Familienzusammenkünfte in Pjöngjang, die der Film liebevoll über mehr als eine Dekade beobachtet, wirken kaum einmal unbeschwert. Über jedem Ausflug, jeder gemeinsamen Mahlzeit lastet der bevorstehende Abschied. Der Film erzählt von der Sehnsucht nach wirklicher Gemeinschaft und weiß, dass es die nicht gibt.
(Christoph Terhechte, 39. Internationales Forum des jungen Films, Berlinale 2010)
Samstag, 14. & Dienstag, 17.1. um 20.00 h

 
In Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.
 
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SHAOLIN TEMPEL UND CHINATOWN KIDS:
DAS FURIOSE KINO DES CHANG CHEH
John Woo: Chang Cheh was always a pioneer. From the early 1960s to the late 1980s, he brought breakthrough after breakthrough to the cinema, revamping tired and worn clichés with modern perspectives and cinematic techniques. He invented the yanggang (staunch masculinity) wuxia genre that ushered in the ‘new school wuxia movement’. The unique cinematographic style, free flowing and kinetic martial arts choreography of his films influenced local and overseas cinemas alike, putting Hong Kong cinema on the map. Local productions were from then on seen in a new light and with new respect. „I never thought I had made it, and there was not one film I was truly pleased with. I sit through my test screenings with regret, thinking they should have been better. (Chang Cheh, 1923-2002)
 
Wir zeigen die bislang umfassendste Filmschau weit und breit mit (nicht nur) Kung Fu- und Wuxia-(Schwertkampf-)Filmen des unvergleichlichen Genre-Meisters: Neun Werke in einer Woche, inkl. eines Triple (!) Features
 
12. – 18.1. um 22.30 h
 
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EIN HAUS IN NINH HOA
Deutschland/Vietnam 2016. Regie, Kamera, Schnitt: PHILIP WIDMANN.
Buch: Nguyên PhuongƉan, Philip Widmann. Ton: Karsten Krause. Dramaturgie: Merle Kröger, Philip Scheffner.
Mit Lê Thi Trong Ai, Lê Thi Hong Yen, Nguyen Thi Ɖào, Lê Trong Tiep.
HD Digital. 108 Minuten. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.
Das alte Haus der Familie Lê liegt am Rande der Kleinstadt Ninh Hoa, unweit der Südküste Vietnams. Ein von Frauen geführter Haushalt, weder reich noch arm, mit Hühnern hinter der Küche und Blick auf die umliegenden Reisfelder. Nicht weit davon entfernt steht das »Palmenhaus«, erbaut für einen der drei Brüder der Familie, der nach Deutschland emigrierte – und nie zurückkehrte. Die beiden Häuser sowie ihre Hüter und Bewohner sind Zeugen der Geschichte Vietnams im 20. Jahrhundert zwischen Krieg und Auswanderung. Die Familienhistorie wird sichtbar, als zwei Besucher – Tochter und Sohn des einst in Deutschland gebliebenen Bruders – in Ninh Hoa eintreffen und auf ihre jeweils eigene Weise die Vergangenheit aufarbeiten
„EIN HAUS IN NINH HOA ist ein Film von großer Offenheit, nicht in seiner Konstruktion, sondern in seiner Wahrnehmung. Ein sinnliches Lehrstück darüber, was es heißt, auf fremde Menschen zuzugehen, sich zu interessieren, zuzuhören.“ (Patrick Holzapfel)
„In seiner besonderen Art, die Geschichte einer einzigen Großfamilie zu erzählen, öffnet der Film den Blick auf die elementaren Ereignisse und Bewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts: Krieg und Migration hinterlassen grundlegende Spuren, damals wie heute.“ (Nicole Wolf)
 
13. – 16.1. um 18.00 h
 
 

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DAS LAND DER ERLEUCHTETEN
(THE LAND OF THE ENLIGHTENED)
Belgien/Irland/Niederlande/Deutschland/Afghanistan 2016. Regie: PIETER-JAN DE PUE.
HD Digital. 87 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.
Eine Bande afghanischer Nomaden-Kinder gräbt alte sowjetische Landminen aus und verkauft den explosiven Inhalt an Kinder, die in den Lapis Lazuli-Minen arbeiten. Eine andere Kinderbande behält die Karawanen fest im Blick, die die blauen Edelsteine durch die unwirtlichen Berge des Pamirgebirges schmuggeln – wenn sie nicht gerade ihren Träumen nachhängen, in denen die amerikanischen Truppen ein für allemal ihr Land verlassen.
 
Letzte Vorstellung am Sonntag, 15.1. jeweils um 11.00 h (Matinée)
 

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MARKETA LAZAROVA
CSSR 1967. Regie: FRANTISEK VLÁCIL. Mit Josef Kemr, Magda Vasaryova, Nad Hejna.
HD Digital. 165 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
Ein 15-jähriges Mädchen im Hochmittelalter erblickt seine Zukunft in der vollkommenen Ergebenheit zu Gott, wird aber in die Strudel der Zeit gerissen und zur irdischen Liebe bekehrt. Die komplex verästelte Legende einer leidenschaftlichen Liebe, die alle mit ihr in Berührung kommenden Menschen verwandelt, übersetzt die Empfindungen der Figuren in metaphorische Bilder und assoziative Montagen. Das monumentale Epos ist in den Übergang aus einer Ära der ungehemmten Gewalt in die neue Entwicklungsstufe der Humanität eingebunden und erinnert in seiner
Symbiose aus Naturalismus und Überhöhung, Wildheit und Poesie, Grausamkeit und Zärtlichkeit an Andrej Tarkowskis fast zeitgleich entstandenes Drama ANDREJ RUBLJOW (1966-69). (Filmdienst)

15.1. um 14.30 h
Weitere Vorstellungen sind geplant!
 

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DIAMOND ISLAND

Kambodscha/Frankreich/Deutschland/Thailand/Katar 2016. Regie: DAVY CHOU. Mit Nuon Sobon, Nov Cheanick, Chhem Madeza, Korn Mean. HD Digital. 101 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.

Bora verlässt seine Heimat im ländlichen Kambodscha, um an dem titelgebenden Luxusprojekt in der Nähe von Pnomh Penh als Bauarbeiter mitzuschuften. Da begegnet er überraschend seinem älteren Bruder Solei, den er seit fünf Jahren nicht gesehen hat und der ihn einführt in das schöne Leben rund um die Hauptstadt. Eng an den Figuren entlang entwirft Regisseur Davy Chou das Mosaik eines Landes im Wandel – und das einer Generation, die lernen muss, sich neu zu verorten in einer unberechenbaren neuen Umgebung. (Filmfest München)

 

19. – 20.1. & 22. – 25.1. um 20.15 h

Samstag, 21.1. um 18.00 h

 

 

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KING COBRA

USA 2016. Regie: JUSTIN KELLY. Mit Garrett Clayton, Christian Slater, Alicia Silverstone, Molly Ringwald, James Franco. HD Digital. 91 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.

Ein kleiner packender Film-noir aus dem Kosmos der Schwulenpornos. Es geht um Liebe, Sex und Tod, um Gier und Erfolg, um Schönheit, Jugend und Alter. »King Cobra« birgt eine schmutzige, aberwitzige und schmerzliche Geschichte mit grandiosen, verstörenden Darstellungen von Christian Slater und James Franco. (Hans Schifferle)

 

19. – 20.1. & 22. – 24.1. um 22.30 h

 

 

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A SHOT IN THE DARK

Deutschland 2016. Regie: Frank Amann. HD Digital. 79 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung. Wem würde man weniger Leidenschaft und Genialität für Fotografie zutrauen, als einem Blinden? SHOT IN THE DARK ist ein intimes Porträt von drei erfolgreichen Künstlern und Künstlerinnen (Bruce Hall, Sonia Soberats, Pete Eckert), deren Sehschwäche zum Ausgangspunkt ihrer visuellen Erkundungen geworden ist. Sehende wie Blinde träumen. Und in unseren Träumen sehen wir.

20.1./22.1./23.1. um 18.30 h

https://vimeo.com/165739769

 

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HONG KONG TRILOGY: PRESCHOOLED PREOCCUPIED PREPOSTEROUS

(HOENG GONG SAAM BOU KUK) 
Hongkong 2015. Regie: CHRISTOPHER DOYLE. HD Digital. 85 Min. Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Erstaufführung.
Essayistisches Stadtpanorama aus dokumentarischen Elementen und gespielten Szenen, mit dem der Kameramann Christopher Doyle seine Wahlheimat Hongkong skizziert. In drei Episoden mit Kindern, der Umbrella-Bewegung des Jahres 2014 sowie mit Rentnern entsteht ein betont undramatisches Generationenporträt, das intime Einblicke in eine sich rasant wandelnde Gesellschaft geben will. (filmdienst)
 

„Man spürt in „Hongkong Trilogy“ die Sorge um den liebgewonnenen Charakter der Stadt und die Angst vor dessen Verlust. Man spürt aber auch den Glauben an dessen Unverwüstlichkeit. Und vor allem spürt man Hoffnung.“

Alexandra Seitz, Tip Berlin

„Was bleibt, sind Doyles wie immer wunderbaren filmischen Impressionen, die Hong Kong als eine Stadt feiert, die trotz allen politischen Wandels unberechenbar bleibt und sich ihr eigentümliches Eigenleben bewahrt.“

Anke Leweke, Deutschlandradio Kultur

 

Nochmal am 22.1. um 11.00 h (Matinée)